Nach der SAP S/4HANA-Migration: Warum Clean Core und SAP BTP so wichtig sein können

Nach der SAP S/4HANA-Migration: Warum Clean Core und SAP BTP so wichtig sein können
29. September 2026
29. September 2026

Steigt Ihr Unternehmen auf SAP S/4HANA um? Dann gibt es weitere essenzielle Themen, mit denen Sie sich beschäftigen müssen. Beispielsweise mit SAP BTP und Clean Core.

Inhalt

Mit dem Wechsel ist die Arbeit nicht erledigt

Eine SAP S/4HANA-Migration stellt in der Regel ein großes und aufwändiges Projekt dar. Eines, bei dem sich die Beteiligten immer wieder wünschen, dass es schnell vorübergeht. Doch wie heißt es so schön? Nach dem Projekt ist vor dem Projekt.

So stehen Sie beispielsweise vor einer entscheidenden Weichenstellung: Wie bleibt Ihr Unternehmen updatefähig, reduziert seine technischen Schulden und integriert gleichzeitig neue Innovationen, ohne den SAP-Kern zu überlasten?

Die Antwort liegt im Clean-Core-Ansatz und in der SAP Business Technology Platform (BTP).

Es handelt sich dabei nicht um technische „Nice to have“-Spielereien, sondern um strategische Hebel, die über den langfristigen Erfolg Ihrer S/4HANA-Implementierung entscheiden können.

Warum die Clean-Core-Philosphie unverzichtbar wird

Machen Sie sich klar: Die Migration zu SAP S/4HANA markiert nicht das Ende, sondern den Anfang einer neuen Ära Ihrer Unternehmens-IT. Wer dabei nur die technische Umstellung im Blick hat, verpasst den eigentlichen Nutzen. Der Wechsel auf die neueste Technologie sollte nämlich kein Selbstzweck sein. Er sollte eine Maßnahme sein, um mit Altlasten aufzuräumen und neue, bessere Wege zu gehen. Ein Beispiel hierfür ist die konsequente Umsetzung eines Clean Core.

Das bedeutet, dass der SAP-Kern möglichst unverändert bleibt. Individuelle Prozesse werden stattdessen über definierte Erweiterungen und Mechanismen oder über SAP BTP umgesetzt. Warum ist das so wichtig? Wegen der Dynamik moderner IT- und SAP-Systemlandschaften. Diese verändern sich oft so rasant, dass sich schnell unsaubere Workarounds einschleichen.

SAP S/4HANA ist zudem keine statische Lösung, sondern eine sich kontinuierlich weiterentwickelnde Plattform. Es gibt regelmäßig neue Updates, Funktionen und Anforderungen von den SAP-Anwendern. Das erfordert eine Architektur, die Flexibilität und Stabilität vereint. Ein „sauberer Kern“ ist die Basis dafür, dass Ihr Unternehmen diese Vorteile auch tatsächlich nutzen kann.

Welche Risiken ein hoher Custom-Code-Anteil birgt

Werfen wir einen Blick zurück. Zurück in die Zeiten, in denen SAP-Entwickler recht frei individuelle Lösungen programmierten. Custom Code war daher lange Zeit die beliebteste Lösung für die speziellen Anforderungen der Unternehmen, die SAP einsetzten.

Was in der Ära von SAP ECC noch funktionierte, wird unter S/4HANA jedoch zum Risikofaktor. Jede direkte Modifikation am SAP-Standard stellt beim nächsten Upgrade eine potenzielle Fehlerquelle dar. Die Folge sind hohe Abhängigkeiten, steigende Wartungs- und Testaufwände sowie lange Release-Zyklen.

SAP erkannte, dass die traditionelle Herangehensweise an ihre Grenzen stößt. In einer cloudbasierten Welt, in der automatische Verbesserungen und eine rasche Skalierbarkeit von eminenter Bedeutung sind, kann ein modifizierter Kern nicht mehr mithalten.

Das Verfolgen einer Clean-Core-Strategie ist daher ein Muss und kein Kann mehr. Der Konzern aus Walldorf hat deshalb massiv in neue Tools investiert, die Sie bei der Umsetzung unterstützen.

Welche Rolle spielt SAP BTP?

Die SAP Business Technology Platform bildet eine neue technische Grundlage für Ihr Vorhaben. Auf dieser Basis können Sie Erweiterungen entwickeln, ohne den Kern zu verändern. Damit lassen sich unter anderem eigene Apps, Workflows, Integrationen, Automatisierungen, KI-Anwendungen und Datenanalysen realisieren.

BTP fungiert somit als Innovations- und Erweiterungsschicht über dem operativen S/4HANA-Kern. Das bedeutet, der Kern bleibt wie gewünscht „clean”.Die Vorteile liegen damit auf der Hand:

Schnellere Innovationen
Erweiterungen können unabhängig vom SAP-Release-Zyklus entwickelt und bereitgestellt werden. Das bringt Tempo und Unabhängigkeit.

Reduzierte Wartungskosten
Modifikationen im Kern sind teuer in der Wartung. Auf der SAP Business Technology Platform lassen sie sich einfacher testen, dokumentieren und weiterentwickeln.

Bessere KI-Integration
SAP Business AI und andere KI-Funktionen setzen auf standardisierte Datenpfade. Custom-Modifikationen im Kern blockieren diese oft.

Wie Sie die neue Strategie meistern

Der Weg zum Clean Core ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Deshalb muss Ihr Unternehmen frühzeitig klare Ziele, Prioritäten und Prozesse definieren. Ein strukturiertes Clean Core Assessment vor der S4/HANA-Migration hilft beispielsweise dabei, den aktuellen Reifegrad zu bewerten und mögliche Risiken rechtzeitig zu identifizieren.

Ein zentraler Baustein Ihres Projekts sollte eine wirksame Governance sein. Denn ohne klare Richtlinien und eindeutig geregelte Verantwortlichkeiten können selbst die besten technischen Ansätze scheitern. Etablieren Sie dafür ein verbindliches Clean-Core-Framework, und wenden Sie es in der Praxis konsequent an.

Ebenso wichtig ist: Alle Erweiterungen sind systematisch außerhalb des SAP-Kerns umzusetzen, beispielsweise mithilfe von ABAP Cloud, CAP (Cloud Application Programming Model) oder eben BTP. Zusätzlich empfiehlt es sich, automatisierte Regressionstests einzuführen, um die Qualität und Stabilität der Systemlandschaft dauerhaft sicherzustellen.

Fazit

Der Wechsel auf S/4HANA ist nicht nur ein Upgrade. Damit einher geht auch ein Paradigmenwechsel. Ihr Projekterfolg steht und fällt mit der Fähigkeit, den SAP-Kern sauber zu halten und Ihre Anpassungen außerhalb umzusetzen. Clean Core und SAP BTP bilden somit das Fundament für ein langfristig updatefähiges, innovationsstarkes und kosteneffizientes SAP-System.

Unternehmen, die diesen Weg frühzeitig einschlagen, profitieren von höherer Flexibilität, schnelleren Innovationszyklen und einer besseren Nutzung neuer SAP-Technologien. Gleichzeitig erschließen sie das volle Potenzial von SAP S/4HANA und SAP Business AI.

FAQ

Fragen und Antworten

Was bedeutet Clean Core bei SAP S/4HANA?
Das ist eine Strategie, den SAP-Kern möglichst unverändert zu lassen. Individuelle Anpassungen werden stattdessen über definierte Erweiterungsmechanismen oder SAP BTP umgesetzt. Das sichert die Updatefähigkeit, Innovationsgeschwindigkeit und Stabilität Ihrer SAP-Landschaft.
Custom Code im SAP-Kern kann Updates blockieren, die Wartungskosten erhöhen und die Einführung neuer Funktionen verzögern. Besonders kritisch sind Modifikationen im SAP-Standard und nicht bei S/4HANA-optimierte Applikationen. Diese können beispielsweise die Performance deutlich beeinträchtigen.
ABAP Cloud ist eine Cloud-optimierte Umgebung, die nur den Zugriff auf offiziell freigegebene APIs erlaubt. Das reduziert technische Schulden und verbessert die Upgrade-Fähigkeit Ihres SAP-Systems. Das ABAP RESTful Application Programming Model (RAP) ist ein zentraler Baustein dieses Ansatzes. Es ermöglicht die Entwicklung von Erweiterungen, die vollständig Clean-Core-konform sind.
Ihr Unternehmen sollte frühzeitig ein Clean-Core-Framework etablieren, Erweiterungen systematisch außerhalb des Kerns implementieren und automatisierte Tests einführen. Werkzeuge wie der Custom Code Analyzer oder die Custom Code Migration App unterstützen Sie bei der Analyse und Bewertung bestehender Eigenentwicklungen.

Bilder: Adobe Stock

Über den Autor

Autorenprofil

Ansprechpartner und Blog Autor Björn Bengl

Geschrieben von:

Björn Bengl
Seit über 15 Jahren ist Björn Bengl in der Personalberatung für Ratbacher tätig. Als Director und Führungskraft verantwortet er die Vermittlung von SAP Fach- und Führungskräften und verfügt über ein umfassendes Wissen auf dem SAP-Arbeitsmarkt.

Kurzfassung des Artikels

Der Wechsel auf S/4HANA ist nicht nur ein Upgrade. Damit einher geht auch ein Paradigmenwechsel. Ihr Projekterfolg steht und fällt mit der Fähigkeit, den SAP-Kern sauber zu halten und Ihre Anpassungen außerhalb umzusetzen.
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